Man fühlt sich planlos, es ist stockfinster, man hat keine Möglichkeit die Helligkeit zu justieren, das Optionsmenü gibt sich spärlich. Man irrt im Dunkeln durch den Wald, sammelt planlos Kräuter und sonstiges Strandgut, während man sich an wenigen Fackeln den Weg sucht. Zudem bereitet die Steuerung größte Probleme, da der rechte Analogstick der Kamerasteuerung dient. Bisher nichts Ungewöhnliches, doch die Empfindlichkeit ist äußerst hoch und die Sensibilität lässt sich nicht regulieren. Grobschlächtige Naturen drehen so die Kamera wild wie ein Kreisel um sich. Nachdem man Sara in einer gottverlassenen Hütte abgesetzt hat, sich ein paar Heringe gebraten hat und mit den Menüs bei Tageslicht auseinandersetzte, kann das Spiel starten.
Der Bandit an der Weggabelung lässt sich von uns bereitwillig die Hütte leer räumen und bietet an, uns zum Lager der Ganoven oder zur Hauptstadt zu führen. Hier entscheidet sich der Weg unseres Helden, welchen Weg er gehen möchte. Schließt er sich in der Hafenstadt der Inquisition an und lernt mächtige Zaubersprüche, oder lässt er sich mit den Gesetzlosen ein? Auch die Story wird langsam klar: Ständige Erdbeben erschüttern Faranga, überall auf der Insel schießen Tempel aus dem Boden die widerliche Kreaturen ausspucken, die euch immer und überall ans Leder wollen.
Faszinierend an Risen ist die Art der Charakterentwicklung. So bekommt ihr wie aus West-RPGs bekannt, für das Töten von Gegnern oder das Erfüllen von Quests Erfahrung die euch Levelaufstiege ermöglichen. Doch seine Fähigkeiten und Attributspunkte selber zu verteilen, muss man erst mal einen Lehrmeister finden, der euch gegen Gold und Erfahrungspunkte in die Kunst des Schwertkampfes, Taschendiebstahls, etc. einführt. So gestaltet sich das Levelsystem deutlich abwechslungsreicher als bei der Konkurrenz.
Auch die Dialoge in Risen sind hervorragend gelungen. Durch die gelungene Synchronisation zieht euch die Story und ihre Charaktere in ihren Bann. Man hört dem betrunkenen Arbeiter gerne zu und besticht ihn mit ein paar Bieren, um an wertvolle Informationen zu kommen, wie man den Lagertyrannen Brogar ein Schnippchen schlagen kann. So bereist man Faranga kreuz und quer, erledigt in klassischer West-RPG-Traditions Aufgaben, plättet Monster und fleddert deren Leichen nach Gold oder anderen nützlichen Ausrüstungsgegenständen. Vom Umfang kann Faranga nicht annähernd mit einem Tamriel mithalten, aber so fühlt sich alles in sich schlüssig an. Insbesondere der Ideenreichtum und die Abwechslung bei Quests gehen über das typische „hole Item X und bringe es Y“ hinaus. Sehr erfreulich und sorgt dafür, dass die Zeit im Fluge vergeht.
Was man Risen von der ersten Minute an anmerkt ist der Ursprung. Dass das Spiel durch und durch ein PC-Spiel ist, merkt man an der Benutzerführung und dem Menüaufbau. Leider hat sich Wizarbox, welche sich für die Portierung verantwortlich zeigen, nicht wirklich Mühe gegeben. Die Optionen sind mangelhaft, der rechte Analogstick übersensibel und bei Kämpfen wünscht man sich sehnlichst eine Maus, um die tänzelnden Gegner vernünftig anzuvisieren. Denn einen Auto-Aim hat man dem Spiel nicht spendiert, so dass man immer während der Feindbegegnung noch mit dem rechten Stick nachjustieren muss. Bei den eh schon zähen Feinden führt das nicht selten zum Ableben. Apropos: Das häufige Speichern wird vom Game empfohlen, denn Autosaves sind relativ selten und häufig stirbt man unvermittelt und darf dann eine halbe Stunde nachholen, Frust inklusive.
Zudem findet sich im gesamten Game keine kleine Map in einer Bildschirmecke oder wenigstens ein Kompass, der den Weg zum nächsten Questziel zeigt. Ein Kompass ist vorhanden, dieser beschränkt sich aber auf das Nötigste: Er zeigt die Himmelsrichtung an, den Rest hat sich der Gamer bitteschön selbst aus den Menüs zu suchen. Die Hauptmap lässt sich zwar einblenden, jedoch nimmt diese 40% des Bildschirms ein, ist nicht transparent und ermöglicht nicht mehr zu kämpfen, während die Map geöffnet ist. Ebenfalls ist die Verwaltung des Questlogs eine Qual und äußerst umständlich, wie der Rest der Menüverwaltung. So werden gelöste Missionen immer noch in der Gesamtübersicht der Quests gezeigt, anstatt diese zu löschen. Alles in Allem muss gesagt werden, dass hier beim Port wesentlich Feinarbeit angebracht gewesen wäre, um Risen angenehm spielbar zu gestalten.
Faranga ist abwechslungsreich modelliert und bietet viel Abwechslung in den Gebieten. Leider ist das mit der einzige Punkt, der bei der grafischen Performance von Risen anzumerken ist. Die Texturen sind niedrig aufgelöst und verwaschen, die Weitsicht als ausreichend zu bezeichnen und die genutzten Filter lassen das Bild zudem unscharf wirken. Ebenfalls sind die Charaktermodelle äußerst spärlich, was insbesondere bei Frauen auffällt. Es gibt bei den NPCs genau einen Typ weibliches Wesen, der sich nur durch die Kleidung unterscheidet. Die Männer „glänzen“ zwar noch mit Bart und Haarvariationen, sehen aber im Gesicht ebenso fast alle gleich aus. Hier hätte etwas mehr Aufwand nicht geschadet. Besonders die miesen Texturen lassen einen in manchen Höhlen oder Randgebieten erschaudern, so dass man sich fragt, ob man wirklich ein Xbox 360 Spiel spielt.
Risen im Test

Wir erinnern uns an Gothic 3. Lange erwartet, hatte zu Release aber unzählige Bugs und… HALT! Die Geschichte kennt jeder. Mit Risen liegt ein neues Spiel der Gothic-Macher Piranha Bytes vor. Zwar immer noch ein klassisches West-RPG, doch lassen wir die Vergangenheit ruhen und betrachten es als eigenständiges Produkt, ohne wiederholt Verflossenes aufzuwühlen.
Heiko meint:
Positiv
- tolles Setting und Story
- hervorragende Synchronsprecher
- akustisch sehr stimmig
Negativ
- hässliche Texturen und Gesichter
- umständliches Interface
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von Konatas_Diener:
Darkshine schrieb: Lohnt sich der Neukauf der PS4 Version wenn man die alte Xbox 360 Version hat? Oder besser zu Gothic 2 auf der Switch greifen? Hä? Wasn das für n komischer Vergleich? Die PS4 Fassung ist der ursprünglichen Fassung...
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von Darkshine:
Lohnt sich der Neukauf der PS4 Version wenn man die alte Xbox 360 Version hat? Oder besser zu Gothic 2 auf der Switch greifen?
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von Captnkuesel:
Ich will halt auch mal was retro mäßiges gespielt haben Ich überlege ob ich Risen 2 angehe aber glaube das war mir zu viel Piraten Unsinn mit Voodoo und so. Aber mal gucken. Muss eigentlich erstmal die zweite Hälfte von Persona 3 spielen ...
Risen ist grafisch schwach, die Steuerung bestenfalls suboptimal, die Vertonung hervorragend. Doch wie ist das Spiel? Anfangs geschockt dank des benutzerunfreundlichen Einstiegs und der holprigen Steuerung hatte ich die schlimmsten Befürchtungen. Doch das Game ist wie ein guter Wein, der sich erst mit der Zeit entfaltet. Fast-Food-Gamer lassen jedoch tunlichst die Finger vom RPG aus deutschen Landen. Fans von West-RPGs mit einem gesunden Sinn für Humor schlagen aber bedenkenlos zu. Beim nächsten Teil bitte etwas mehr Mühe beim Konsolenport, danke!