
Das letzte Mal, als ein Computerspiel mehr durch seinen Kopierschutz als durch alles andere Aufsehen erregte, ist gar nicht mal so lange her. Sicher erinnern sich alle PC-Besitzer an das Half Life 2-Debakel. Steam installieren, wichtige Dateikomponenten herunterladen und eine ständige Onlineverbindung für ein Offlinespiel stieß vielen Käufer sauer auf. Mit Siedler 7 schlägt Ubisoft in die selbe Kerbe. Somit steht fest: Habt ihr keine permanente Internetverbindung, werdet ihr nicht in Ruhe siedeln können. Aber wir sind ja nicht ausschließlich hier um den Kopierschutz zu beurteilen, sondern das fertige Produkt der Blue Byte-Entwickler. Und das ist in einigen Dingen noch besser als der schon gute Vorgänger. Sowohl im Einzelspielermodus, wie auch in den Onlinepartien, seid ihr das Oberhaupt eurer kleinen Gemeinde. Dabei steht ihr in Konkurrenz zu den Gegenparteien steht - das Zauberwort lautet "Expansion".

Weil Siegbedingungen und die stetige Nachfrage nach Rohstoffen und Waren eurer Leute auf das gesellige herumsiedlen drücken, seid ihr zur Vergrößerung gezwungen. Zum Start jeder Partie habt ihr einige Grundstoffe und Werkzeuge zur Verfügung, um die ersten Produktionsstätten zu bauen. Getreidefarm, Goldbergwerk oder Fischerhütten müssen nahe an den Rohstoffquellen platziert werden. Doch hier trifft schon die erste große Neuerung auf den Spieler: Während ihr euch früher durch viele Baumenüs geklickt habt, wurde dieses System von Grund auf neu entwickelt. Zuerst wird ein Grundgebäude in die Landschaft gestellt und dort drei Erweiterungen angedockt. So könnt ihr beim Gebäude ’’Bauernhof’’ Getreidemühlen, Schweine- oder Schafzuchten erstellen. Um Papiermühlen, Weberei oder Radmacherei in die Gegend zu pflanzen, solltet ihr das Grundgebäude ’’Wohnhaus’’ aus dem einfachen Baumenü auswählen. Gliederung und Verständnis sind schon nach kurzen Spielminuten verinnerlicht, so das dieses neue System selbst Einsteigern in die Serie keinerlei Probleme bereitet.
Zumal es nicht nur praktischen Nutzen hat, sondern auch die Optik viel plastischer aussehen lässt. Also weg von den immer gleichen, eckigen Gebäuden in eurer Stadt und hin zu mehr Abwechslung. Eigentlich ist der Bauplatz immer stark begrenzt, weshalb ihr neue Sektoren erobern müsst. Diese werden meist von einem neutralen Wachturm mit einer handvoll Soldaten bewacht. Hier bieten euch die Entwickler gleich drei Möglichkeiten, was dem Titel mehr Spieltiefe verleiht. Entweder ihr sendet von eurer Burg aus einen General samt Armee zu einem neutralen Sektor um die Sache auf die militärische Weise zu klären. Oder ihr lasst Gold für euch sprechen. Solltet ihr im Besitz einer Kirche sein, könnt ihr in bester Age of Empires Tradtion auch neutrale Feinde bekehren. Aber egal für welche Lösung ihr euch entscheidet - entweder es kostet eine Menge Gold oder ihr verliert wichtige Mönche, die ihr eigentlich zur Weiterbildung in die Universität stecken solltet.

Straßen und Lagerhäuser sind seit jeher wichtige Elemente der Siedler-Serie und hier kommt ihr nicht drumherum neue Laufwege für eure Untertanen zu bauen. Egal um welchen Rohstoff es sich handelt; alles wird zuerst im Lagerhaus gelagert ehe sich der nächste Siedler diesem Material annimmt um es z.B. weiter zu verarbeiten. So kommt wieder die typische Optimierung der eigenen Siedlung ins Spiel, wenn es heisst kurze Laufwege zu gestalten, damit alle Güter schnell bei zur Weiterverarbeitung gelangen. Leider entsteht gelegentlich ein spielerischer Leerlauf, bei dem ihr einfach nur zuseht, wie eure Untertanen arbeiten oder kämpfen. Apropos Kämpfe: Diese sind immer noch nicht optimal. In der Kaserne stellt ihr nämlich einfach eine wilde Mischung aus Nah- und Fernkämpfern zusammen und schickt sie an die Front. Dann heisst es zuschauen und warten. Und der Schlüssel zum Sieg? Die Masse macht das Rennen!

Trotz der recht nett gemachten Storyline merkt man dem Spiel sehr schnell an, dass der größte Fokus auf die Mehrspielerpartien gesetzt wurde. Hier rockt das Spiel dank Siegpunkten- und Sektorensystem auf ganzer Linie und zum Teil spielt sich Siedler 7 wie eine strategische Variante von Battlefield. Der Onlinezwang des Titels hat doch tatsächlich auch seine Vorteile - durch den Ubisoft Game Launcher, der sich zu jeder Partie öffnet, bleibt das Spiel jederzeit up to date. Aber das coolste Gimmick kommt in Form einer Mentorenfunktion. Egal ob ihr jetzt in der Einzelspielerkampagne oder online gegen Freunde Matches bestreitet, ihr habt jederzeit die Möglichkeit einen Profi-Spieler via Chatfunktion nach Infos zu fragen. Während unserer mehrstündigen Testsession (auch zu später Stunde) haben wir dieses neue Feature auf Herz und Nieren getestet und waren erstaunt: Zu jederzeit waren immer genug Spieler anwesend, die uns schnell unsere offenen Fragen beantwortet haben. Sehr feine Sache!

Von der optischen Seite ist die Siedler 7 eine verdammt gut aussehende Sache. Die hohe Sichtweite, die fabenfrohen Landschaften mit ihren vielen vielen Details sprechen eindeutig für die gute Arbeit der Grafiker. Die deutsche Synchronisation ist auf auf hohen Niveau. Das ist aber auch kein Wunder, weil viele der Sprecher aus Rundfunk und Fernsehen bekannt sind. Aber um das Spiel in einer flüssigen Darstellung zu spielen ist leider ein Zweikernrechner der Gattung A64 6600+, 3GB Ram und einer Geforce GTX 260 Pflicht.
Und auf dem Macintosh? Hier lauern schlechte Nachrichten - Ubisoft scheute vor der Programmierung einer nativen OS X Fassung zurück und verlässt sich stattdessen auf Cider. Die Portierung leidet dann auch unter einem deutlich geringeren Speed als die PC Fassung, zahlreichen Ruckeleinlagen und Verbindungsabbrüchen. Wer hier nicht ein ganz neuen iMac oder gar Mac Pro auf dem Schreibtisch stehen hat, lässt besser die Finger davon - oder lädt besser Bootcamp um das Spiel unter Windows ruckelfreier auf seinem Mac geniessen zu können. Daumen runter, für diese schlampige Mac Portierung!
Das neue Siedler ist eine flotte Strategieschlacht um Siegpunkte und Sektoren geworden. Das entschlackte und logisch aufgebaute Menü sowie die vielen kleinen Detailverbesserungen machen das Spielpaket nahezu perfekt. Schreckt ihr nicht von Ubisofts neuer Kopierschutzpolitik zurück, kann ich jedem Strategen diese Perle nur ans Herz legen.